Aber wein‘ nicht, wenn Du das siehst.

An einem Schmuddelwettertag gehe ich ohne besonderen Grund auf den Speicher und finde dort einen Pappkarton mit alten Schwarzweiß-Fotos. Ich nehme ihn mit runter, setze mich ans Fenster und schaue sie durch. Auf allen sind entfernte Verwandte von mir und ihre Freunde abgebildet, auf manchen sind fast baumgroße Reptilien zu sehen sowie Monster oder vielleicht auch nur durch schwere Krankheit oder Radioaktivität ganz furchtbar entstellte Menschen. Sie wirken alle sehr glücklich. Ich schaue mir jedes Foto genau an, und es sind viele Fotos, und trotzdem finde ich nicht ein einziges, auf dem jemand traurig oder unglücklich guckt. Ganz viele Fotos wurden im Freien gemacht, anscheinend haben die Leute darauf häufig Picknicks und Gartenparties veranstaltet. Alle Kinder, die keine Schwimmsachen tragen, haben einen Luftballon in der Hand. Schade, dass die Fotos schwarzweiß sind, denn vermutlich sind es bunte Luftballons. Ich schaue raus und sehe, wie sich draußen die Regenrichtung umgedreht hat und der Regen jetzt zum Himmel steigt.

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Portugal

Es sind drei Kinder, die seit einigen Tagen immer wieder in Trance geraten. Dabei lassen sie sich auf die Knie fallen, heben die Hände, Handflächen nach oben, auf Brusthöhe, schauen ins Leere und sagen: „Das Licht spricht zu uns“. Während sie in diesem Zustand sind, reagieren sie auf nichts, was um sie herum geschieht. Es kann bis zu mehreren Stunden andauern. Vorher sind sie nie auffällig geworden. Gerade sind Wissenschaftler_innen da, die sie untersuchen; ich wurde als Sozialpädagoge dazugeholt, halte mich aber am Rande. Die Forscher_innen gehen sehr brutal vor, sie spielen laute Musik neben den Kindern ab und leuchten ihnen mit grellen Taschenlampen in die Augen. Ich fühle mich verpflichtet, einzugreifen, aber die ganze Sache wirkt so offiziell, wissenschaftlich.

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