Warum nutzt Du das nicht?

Ich sterbe und komme in die Hölle, was mich überhaupt nicht wundert. Ich trete durch ein schweres Tor und stehe eine Weile so da, bis irgendwann ein Dämon zu mir kommt. Er bietet mir an, mir meine Sünden vorzulesen, aber ich lehne ab; ich kann mir schon denken, warum ich hier bin und will es nicht vorgehalten bekommen.
Die Hölle ist im wesentlichen eine rotglühende Steinwüste.
In der Hölle sind wahnsinnig viele Menschen, aber die Hölle ist auch unendlich groß, daher verläuft es sich. Man darf sich aussuchen, ob man sichtbar gequält wird (in Flammen steht, auf einer Folterbank etc.) oder ob man einfach die Schmerzen hat, ohne dass diese auf ein ein konkretes Instrument zurückzuführen sind. Ich entscheide mich für Letzteres, es scheint mir als würde ich damit Zeit sparen, aber wozu?

Egal. Ich freunde mich im Laufe der Zeit mit einem Jesuiten an, der im frühen 18. Jahrhundert in Belgien gelebt hat und spiele regelmäßig Schach mit ihm. Manchmal gehen wir spazieren. Bei einem der Spaziergänge bleiben wir an einem der Höllentore stehen. Daran sind schwere, massive Schlösser.
„Schon krass, dass wir hier so für immer eingesperrt sind“, sage ich zu dem Jesuiten.
„Sag‘ nochmal?“
„Ich meinte, dass es krass ist, dass wir hier so eingesperrt sind. Wie Tiere in einem Zoo, den nie jemand besuchen kommt.“
Er schaut mich verwirrt an, dann begreift er, was ich meine. Er zeigt auf das Tor.
„Was siehst Du da?“
Ich folge seinem Blick. „Ich sehe das härteste Schloss des Universums.“
„Und von welcher Seite?“
„Wie – ‚von welcher Seite‘?“
„Von welcher Seite ist die Hölle verschlossen?“
Ich schaue nochmal hin. Und nochmal. Und nochmal. Und kann es nicht glauben.

Gerne in Deiner Nähe

Ich bin immer noch auf der Suche nach dem Drachen, seiner Höhle und, vor allen Dingen, dem Goldschatz, den er beschützt.
Ich koche vor Wut, hasse diese schwere Rüstung, hasse es, dass ich den Drachen nicht finde und somit nicht schnell ermorden kann und hasse diese ewigen Dreckswälder. Jetzt gerade dämmert es allerdings schon und mir ist nach einer Rast. Ich setze mich an einen See, er ist ruhig und ich mag  wie die Bäume einen respektvollen Abstand zu ihm halten.
Ich will schlafen, kann aber vor Wut nicht die Augen zumachen. Wasser spritzt mir ins Gesicht. Ich schaue auf und sehe, dass etwas im Seerand schwimmt. Ein Wels? Ein großer Karpfen? Ich ziehe mein Schwert und habe vor, es, egal was es ist, zu töten, einfach um genügend zu ent-spannen, um heute Nacht schlafen zu können.
Aus dem Wasser taucht der Kopf einer Frau auf, was mich einen Moment innehalten lässt. Sie sagt nichts. Die Licht der Abendsonne bricht farbig in den Wassertropfen auf ihren nackten Schultern. Entspannt lässt sie sich zurückfallen und spritzt mir mit ihrer Hinterflosse erneut Wasser ins Gesicht.
„Lass das!“, rufe ich ihr zu, „ich bin ein Ritter.“
Sie lacht, hell und fröhlich. „Ein Ritter. So, so. Was machst Du hier, Ritter?“
Ich sage es ihr.
„Schätze, Schätze. Ach, warum bindet Euch Sterbliche Gold so sehr?“
„Nenn‘ mich nicht ‚Sterblicher‘, als seist Du selbst keine. Ich weiß um Meerjungfrauen.“
„Bitter, bitter, Du bist bitter“, sagt sie, schwimmt näher heran und setzt sich auf, ihre obere, menschliche Hälfte ganz aus dem Wasser hebend.
Ich möchte das nicht, aber ich kann nicht wegschauen. Sie ist schön. Unglaublich schön.
„Schwimm‘ mit mir!“, fordert sie mich auf.
Ich versuche, an ihr vorbeizuschielen, zeige auf meine Rüstung und sage: „Ich kann nicht. Ich gehe unter.“

Vorwärts fallen

Noch eine Umkreisung. War ich nicht bereits hier? Wie oft werde ich im Kreis fahren? Wie oft habe ich es schon getan? Kein Ausweg. Oder, vielleicht: Doch einer, aber ein verborgener, luftblauer oder sonstwie gut getarnter. Wessen Hand halte ich gerade? Ein großes Fragezeichen, vor mir in den Sand gespuckt. Eine Geschichte, erzählt von Wüstenpropheten. Ein Zucken im Augenwinkel und.
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Portugal

Es sind drei Kinder, die seit einigen Tagen immer wieder in Trance geraten. Dabei lassen sie sich auf die Knie fallen, heben die Hände, Handflächen nach oben, auf Brusthöhe, schauen ins Leere und sagen: „Das Licht spricht zu uns“. Während sie in diesem Zustand sind, reagieren sie auf nichts, was um sie herum geschieht. Es kann bis zu mehreren Stunden andauern. Vorher sind sie nie auffällig geworden. Gerade sind Wissenschaftler_innen da, die sie untersuchen; ich wurde als Sozialpädagoge dazugeholt, halte mich aber am Rande. Die Forscher_innen gehen sehr brutal vor, sie spielen laute Musik neben den Kindern ab und leuchten ihnen mit grellen Taschenlampen in die Augen. Ich fühle mich verpflichtet, einzugreifen, aber die ganze Sache wirkt so offiziell, wissenschaftlich.

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