Vorwärts fallen

Noch eine Umkreisung. War ich nicht bereits hier? Wie oft werde ich im Kreis fahren? Wie oft habe ich es schon getan? Kein Ausweg. Oder, vielleicht: Doch einer, aber ein verborgener, luftblauer oder sonstwie gut getarnter. Wessen Hand halte ich gerade? Ein großes Fragezeichen, vor mir in den Sand gespuckt. Eine Geschichte, erzählt von Wüstenpropheten. Ein Zucken im Augenwinkel und.
Weiter geht’s.bild-fur-vorwarts-fallen

New Firely Castle

Viel weiter kann man gar nicht mehr in den Osten fahren. Stettin ist hier um die Ecke; noch nicht einmal die Polen selbst wissen, wie man das richtig ausspricht. Mehr Häfen, mehr Ziele. Sand zwischen den Zehen und die Brandung, die ich auch höre, wenn ich nachts am Bahnhof eine rauche. Zu spät, um zu träumen; höchstens noch wenn ich morgen zu früh aufwache und wieder einschlafe. Eine Burg aus Feuer. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich brennende Steine. Wenn ich Dich auf die Stirn küsse, dann spüre ich den Mond. Herz aus Glas, aber das macht nichts, denn Glas brennt nicht.

Dahinter Kälte

eisfestung

Eine Forschungsstation, weit im Norden. Es schneit ununterbrochen. Drinnen ist es sauber und aufgeräumt, aber es ist keiner da. Die Luft ist so kalt, dass man beim Ausatmen Wolken bildet. Wo sind alle? Ist es überhaupt eine Forschungsstation? Es wirkt von außen wie eine Festung. In den Fluren hängen Schilder mit Diagrammen und langen Erläuterungen, geschrieben in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ich habe den Eindruck, dass mich aus den verschneiten, kalten Bergen heraus etwas beobachtet.

Zurückhalten

Ich habe oft versucht, mit dem Rauchen aufzuhören und bin immer wieder rückfällig geworden. Diesmal habe ich allen erzählt, dass ich nicht mehr rauche und habe nun den sozialen Druck auch wirklich nicht zu rauchen, wenn ich in Gegenwart von Freunden, Familie oder Kollegen bin. Das heißt, ich rauche nur noch heimlich. Mittlerweile habe ich auch meinen Nachbarn stolz erzählt, dass ich nicht mehr rauche, sodass es nicht mehr reicht, hinters Haus zu gehen, weil die mich dann dort sehen könnten und dann wäre ich jemand, der es nicht geschafft hat, mit dem Rauchen aufzuhören – und das will ich nicht. Abends gehe ich auf lange Spaziergänge am Rande der Stadt, da kenne ich niemanden. Meine Runden werden immer größer, weil ich während eines Spaziergangs ja so viel rauchen muss wie vorher den ganzen Tag über. Meine neue Strecke führt mich an einem Umspannwerk vorbei. Hier stehen ganz viele Strommasten, im Herbst sah es aus, als würden sie ganz oben miteinander reden, jetzt im Winter so, als würden sie gleich umfallen. Ich stelle mich darunter und rauche, es ist spät nachts. Auf einmal kommt aus dem Dunkel von unterhalb eines der Masten jemand. Er trägt eine große Säge, war gerade dabei, sich im Gehen Arbeitshandschuhe auszuziehen und erschreckt sich, als er mich sieht. Nervös schaut er sich um. „Ich rauche nicht mehr“, sage ich, die Kippe in der Hand. moonlight_scene